NOVEMBER 2017
Neues Heft
Der gute Mann von Wien Hoch klingt das Lied vom braven Mann. Er ist kein Geringerer als das Stadtoberhaupt unserer Re­sidenzstadt Wien, „Luigi“, das Schnitzelgesicht („Schnitzelgesicht“ hat Gery Keszler urheberrechtlich vorahnend schon aus der Taufe gehoben). Denn es geht ja nicht ums Ganze, es geht – Sie haben es erraten – natürlich ums „Schnitzel“. Der Philanthrop Ludwig sah die Leiden seiner Stadtbewohner ob der Quarantäne-Beschränkungen und er trocknete verbal die bitteren Tränen seiner händeringenden Gastronomen, da sie kaum vom Schock der Rauchverbote in ihren elysischen Kaschemmen genesen nun mit dem Corona-Lock-Down dem Hungertode ausgeliefert waren. Um den lieben Wienerinnen und Wienern, die ja schon schwer an den Entzugserscheinungen von edelsaurem Veltliner, inzwischen nicht mehr österreichischem Bier und natürlich Schnitzel und Schweinsbraten leiden, die Qual zu mildern, hat der edle Mann in nächtlichem Ringen nach einer Lösung gesucht. Salomonisch möchte man sagen, denn diese Wohltat an seinen Bürgern ist doch gleichzeitig auch ein „Benefizerl“ für die gequälte Gastronomie, eine „Doppellutz“ auf Wienerisch. Man lässt die Wiener aus dem Haus und gleichzeitig (welch ein Zufall) lässt man die Wirte ihre Garküchen-Tempel wieder aufsperren. In Zeiten wie diesen ... drehen alle am Rad Eines Tages wurde ich als Anhalter mitgenommen. Der Fahrer sah mich schräg von der Seite an und fragte mich mit diabolischem Lächeln, ob ich denn keine Angst hätte, von einem Serienmörder mitgenommen zu werden. Ich sah kaltblütig zurück und antwortete geistesgegenwärtig, dass laut Statistik die Chance relativ gering sei, dass zwei Serienmörder gleichzeitig in einem Auto unterwegs sein würden. Es passierte nichts. Allerdings war ich lange unterwegs, weil ich den restlichen Weg zu Fuß zurücklegen musste. Der Fahrer hatte die schwächeren Nerven. Ich vermute, dass dies auch mit der Corona-Pandemie zu tun hatte. Lieber ab durch die Mitte als einen Hauch von Kontakt. Hätte einer von uns den anderen angesteckt, wäre er vielleicht zum Mörder geworden. Das Virus wurde immer mehr zum Problem. Schüler durften aus Sicherheitsgründen nicht mehr die Schule besuchen und mussten den Lernstoff zuhause erledigen, von Lehrern übermittelt, von Eltern begleitet. Deswegen lagen bei diesen die Nerven blank, weil sie merkten, dass sie selber mit dem Stoff überfordert und Lehrer doch nicht diese unfähigen Idioten waren, für die sie sie immer gehalten hatten. Mit Trauring bin ich eine andere? Ein Artikel in einer Tageszeitung hat mich amüsiert! Denn darin wird die Frage aufgeworfen, ob sich mit einem Trauring auch automatisch meine Einstellung als Frau zum Leben zu ändern hat. Mitnichten, liebe Tanten und Verwandten, wir sind noch immer dieselben, wie ohne! Es ist auch kein Verrat am Mann, wenn wir unseren Nachnamen behalten wollen, vielleicht hat ihm der unsrige auch besser gefallen? Im Mittelalter, ja da war das anders. Da haben verheiratete Frauen plötzlich eine Haube tragen müssen, sind „Unter die Haube gekommen!“ Als sichtbares Zeichen, dass sie weg vom Markt sind! Heute tragen wir weiterhin Jeans, lassen unsere wilde Mähne im Wind flattern und sind nicht verdammt dazu, unserem Angetrauten das Leben so leicht wie möglich zu machen, auch wenn uns selbst die Lasten niederdrücken! Heute sind wir gleichberechtigte Partner und tragen im Tornister nicht den Kochlöffel während er den „Marschallsstab“ drinstecken hat. Was geschah am 14. Oktober 2019? Die ganze Wahrheit, recherchiert von der Sackblatt-Redaktion. Es ist alles anders, als man denkt … Der 14. Oktober 2019 war der Auftakt des Aurora-Forums, das bis zum 21. Oktober 2019 in der armenischen Hauptstadt Eriwan und noch drei weiteren Tagungsorten (Gyumri, Dilijan und Tatev) stattfand. Es bildete den Rahmen zur jährlichen Verleihung des Aurora- Preises zur Förderung der Menschlichkeit. Der Preis wird seit 2016 von der Aurora Humanitarian Initiative vergeben. Das Aurora-Forum wurde von Vartan Gregorian, Noubar Afeyan und Ruben Vardanyan mit dem Ziel gegründet, zu einer wichtigen Arena für Weltbürger zu werden, die als Motor des Wandels dienen können. Das Forum wird von einem Netzwerk von mehr als 500 Unternehmern und Experten und 150 Botschaftern des guten Willens unterstützt, einer Gruppe von weltweit führenden Persönlichkeiten aus einem breiten Spektrum von Bereichen wie Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Unterhaltung und Kunst, die sich gemeinsam der Bewältigung einiger der dringendsten globalen Herausforderungen (= jetzt schon das Unwort des Jahres) widmen, mit denen die heutigen und künftigen Generationen konfrontiert sind. Soweit die Selbstdefinition des 2016 gegründeten Forums. Selbstverständlich fand das diesjährige Forum – zu Ehren des Gründers, Vartan Gregorian – in seiner Heimat Armenien statt. Der Mitbegründer, Dr. Noubar Afeyan, hielt die Laudatio. Unter den Stargästen befanden sich namhafte Eigentümer oder Repräsentanten globaler Konzerne. Traktat über die tribulative Konsideration der Kultur heute oder: Kulturell ist alles schwierig Freunde, über Kultur zu reden oder zu schreiben ist immer eine Gratwanderung im sozialpolitischen Kontext. Warum das so ist, erklärt uns Wikipedia im 2. Absatz der Abfrage zum Begriff „Kultur“: Der Begriff der Kultur ist im Lauf der Geschichte immer wieder von unterschiedlichen Seiten einer Bestimmung unterzogen worden. Je nachdem drücken sich in der Bezeichnung Kultur das jeweils lebendige Selbstverständnis und der Zeitgeist einer Epoche aus, der Herrschaftsstatus oder -anspruch bestimmter gesellschaftlicher Klassen oder auch wissenschaftliche und philosophisch- anthropologische Anschauungen. Fragen wir den Begriff „Zeitgeist“ ab (was naheliegend ist), eröffnet sich uns folgende Definition: Der Zeitgeist ist die Denk- und Fühlweise (Mentalität) eines Zeitalters. Der Begriff bezeichnet die Eigenart einer bestimmten Epoche beziehungsweise den Versuch, diese zu vergegenwärtigen. Das klingt genial, ist es auch, weil der Begriff Zeitgeist sich diesmal sogar als Germanismus in die englisch sprechende Welt eingebürgert hat – in dem Adjektiv „zeitgeisty“. Übrigens der Begriff „Zeitgeist“ ist nichts Neues, er wurde schon 1769 vom Philosophen Johann Gottfried Herder geprägt. Kultur und Zeitgeist hängen allerdings sehr voneinander ab, wie wir in der Diskussion um die zeitliche Abfolge von Öffnungsschritten diverser Institutionen nach(?) der Corona-Krise erkennen können: Baumärkte vor Wirtshäusern, dann erst Friseure (Bändiger der Quarantäne-Mähne). Nun kann man auch – notgedrungen – an die Schulen und Kindergärten denken, weil die lieben Kleinen ihren Erzeugern in der Quarantäne gehörig auf die Nerven gegangen sind – und zur Oma durften sie ja nicht. Das Aufheulen der Nägelzwicker und der Fußschweißabteilung der „Mucki-Buden“ war unüberhörbar. Noch keine Rede, eher vage Andeutungen, über Kino, Theater und Konzert. Ach ja, den Fußball nicht zu vergessen, Fußball darf unter bestimmten Bedingungen (an die sich die ersten Vereine schon einmal nicht gehalten haben) auch noch vor dem Sommer vorerst ein bisschen stattfinden. Wenn das nicht zeitgeistig ist? Kulturfestivals, Sommerbühnen, Open-Air-Konzerte? Naja, mit „Abstandsregeln“ vielleicht. Hundert Leutchen dürften sich schon maximal bei so etwas verlustieren (aber ist das wirklich notwendig?). Ein Virus, ein Virus Wie groß oder klein, kann so ein Virus eigentlich sein? Auf jeden Fall hat sich herausgestellt, er kann gar nicht klein genug sein, um Millionen von Menschen in die Knie zu zwingen! Aus Angst vor diesem kleinen, unsichtbaren Knirps, verbarrikadieren sich die Menschen in ihren Häusern, verhüllen ihr Gesicht und werden sich auch in absehbarer Zeit nie wieder die Hände reichen! Wir haben jedenfalls erkannt, dass es auf die Größe allein offenbar gar nicht so ankommt!  Der Teufel steckt im Detail. Der Effekt ist ausschlaggebend. Generell sind wir ja sicher von vielen Viren umgeben, ja sie schwirren um uns herum, wie die Motten um das Licht. Doch bisher hatten die meisten von uns genug Abwehrkräfte, um sie abzuwehren. Aber diesen, namens Corona dürften wir beleidigt haben, bzw. waren es die Chinesen! Sie haben ihn einfach nicht genügend beachtet! Die paar Toten ließ man (vielleicht) verschwinden oder sie landeten in einem Krematorium! Ungefährdet von der Umwelt konnten sich die Viren dort vermehren, auf Kadavern von Hunden, Katzen und Fledermäusen!  Die Märkte waren das bevorzugte Aufenthaltsgebiet und ist es leider noch immer!  Bei der großen Bevölkerungszahl in China ist es offenbar nicht aufgefallen, dass da einige Hunderte Menschen plötzlich starben, aber in den westlichen Ländern wurde man erschrocken munter und begann dieses Virus zu jagen! Nun laufen wir mit Masken vor dem Gesicht herum, dürfen niemanden küssen, außer er wohnt im selben Haushalt wie wir, was die alte Frage aufwirft, wollen wir das? Ein Maienmärchen Edith war noch der Stammzahn von Walter, meinem besten Freund. Edith und Walter waren also ein Paar. Walter schwärmte fortwährend von Edith und erzählte uns unaufgefordert alles, was beide so als Paar trieben – vor allem dann, wenn er schon ein paar zu viel getrunken hatte. Wir waren ein eingespieltes Quartett in den Siebzigern des vergangenen Jahrhunderts. Walter, Hugo, Willi und ich. Der Fahrer dieser verschworenen Gemeinschaft war ich, denn ich war meistens nüchtern oder nur ganz wenig blau, hatte schon ein eigenes Auto und wusste als einziger auch die Schwächen der anderen einzuschätzen. Stets hielt ich rechtzeitig am Straßenrand, zog Walter aus dem Auto und legte ihn zum Kotzen über den nächsten Gartenzaun. Unsere samstägliche Runde war einfach: Vorglühen in Erikas Bierbar, danach zum Schnapsrundenwürfeln in Lothars Kneipe und zu guter Letzt ab in die Disco zum unangenehmen Auffallen. Walter hatte dort zwar Lokalverbot, weil er am Tisch immer ein Nickerchen machte, aber meistens haben wir ihn dann doch rein bekommen oder ihn im „worst case“ einfach zum Pennen auf der Rückbank meiner 2CV - Ente abgelegt. Irgendwie war er ja mit jeder Lösung glücklich und im hochpromilligen Grenzbereich auch äußerst pflegeleicht. Zu guter Letzt! Der Kommt eine “Genießerpartei”? DDer 1. April ist längst vorbei, und bis zum Fasching dauert es noch einzige Zeit – doch es scheint ganz so, als wolle Otto eine „Partei für Genießer – PFG“ gründen. Grund dafür sei das für ihn autoritäre staatliche Vorgehen gegen Liebhaber des „Blauen Dunstes“. Auch wenn der Gesundheitsminister fett und schwarz auf jeder Zigarettenpackung warnen lasse, dass Rauchen lediglich Gevatter Hein Beine, sonst aber schnurstracks krank und impotent macht – es gehe gar nicht um den Schutz der Raucher, sondern um den der Nichtraucher, neuerdings Passivraucher genannt, stellt Otto fest. „Aber auch wer in seinem ganzen Leben noch nie geraucht hat, kann an Lungenkrebs zugrunde gehen“, sagt er hüstelnd und schließt die Frage an:  „Nur, weil man die höchste Rauchdichte in Gaststätten ausgemacht hat, musste dem Rauchen an diesen gesellschaftlichen Treffpunkten ganz vehement der Garaus gemacht werden?“ Man könnte ja auf die Idee kommen, dass ein militanter Nichtraucher seine Freizeit doch nicht unbedingt in solchen Raucherhöhlen verbringen müsste, sondern doch lieber einen Spaziergang durch die würzige Luft des Sauerstoff atmenden Parks unternehmen könnte, sinniert Otto weiter. Feinstaub aus Auspuffen der Dieselmotoren, qualmende Hochöfen, Feuer spendende Vulkane in Italien, brennende Waldflächen in Spanien seien ebenso Quellen aktiver und passiver Gesundheitsschädigung. Auch diese gelte es abzustellen, weil ja sonst immer weniger Menschen die Chance haben, gesund alt zu werden, argumentiert er und fügt ätzend hinzu: „Während der unbelehrbare Tabakkonsument eines Tages trotz all der gewaltigen Anstrengungen unserer Gesundheitsapostel schon mit 70, 80 oder 90 Jahren in die selbst verschuldete Grube fährt, darf der staatlich geschützte Nichtraucher seinen 120. Geburtstag im Kreise seiner bedingt begeisterten Erben bei immer noch bester Gesundheit auf der heimeligen Intensivstation des Landeskrankenhauses feiern. Wahrscheinlich darum will man tatsächlich überall das Rauchen verbieten.“       Die nächste Ausgabe erscheint       im SEPTEMBER 2020
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Erscheinungstermin: 29. MAI 2020