NOVEMBER 2017
Neues Heft
Demokratie ist links - what else? Die Welt hat Probleme, nicht nur mit der „Heiligen Greta von den verwaisten Schulhöfen“, nein, ganz selbst gemachte Probleme, und da meine ich gar nicht den üblichen Klimawandel. Demokratie gerät in Verschiss, so zumindest tönt es gelegentlich aus den Medien, die ihre schreiberischen Herzkammern eher nach links verorten. Trump-sei-bei-uns, geht um. Das Amtsenthebungsverfahren hat nicht funktioniert. Die Linke ist frustriert. Bei uns ist das ganz anders. Im Nachbarland der Brötchen und Klöße werden solche Dinge erfolgreich gelöst. Wenn dort demokratisch gewählte Abgeordnete eines Bundeslandes einen Ministerpräsidenten wählen, der der Linksfraktion und dem grünen Gemüseauflauf nicht passt, dann gibt’s Ramba- Zamba – aber demokratisch. Und schon überhaupt, wenn der – rechtmäßig – gewählte Kandidat mit den legal verfügbaren Stimmen einer „Schmuddelpartei“, wie der AfD, gewählt wurde, dann spricht sogar die Rauten-Angela aus tiefstem christlich-demokratischen Herzen, dass das ein „unverzeihlicher Fehler“ gewesen ist, der sofort „rückgängig“ gemacht werden müsse. Liebe Genossen, eine Frage: Was ist an der „Rückgängigmachung“ eines legal-demokratisch erzielten Wahlergebnisses „demokratisch“? Hasst du Töne? „HASST DU TÖNE?“ ist der Titel des neuen Buches des Musikpädagogen und Musikwissenschaftlers Prof. Dr. Reiner Thon. In diesem Buch widmet er sich ganz dem Klavier oder Flügel und seinen Tönen. Jeder Ton, vom tiefsten bis zum höchsten, wird ausführlich dargestellt und besprochen. So wird jeder Ton im Notensystem dargestellt, seine Frequenz genannt, die Taste angegeben, mit der er zu spielen ist, und welche Farbe die Taste hat. Dazu werden auch Musikstücke emp­fohlen, in denen diese Töne vorkommen, so dass sich der Leser durch Auflegen einer Schallpatte oder CD selbst einen Höreindruck verschaffen kann. Für Musikwissenschaftler stellt dieses Buch somit ein unverzichtbares Nachschlagewerk dar. Aber auch aus musikpädagogischer Sicht ist dieses Buch wertvoll, denn Reiner Thon beschreibt nicht nur die Töne, sondern lehrt den Leser noch obendrein, wie diese Töne zu spielen sind, z. B. mit welcher Intensität und mit welchem Finger die Klaviertasten am besten bedient werden sollen. Bei Befolgung der Ratschläge lässt sich so pro Tag ein Ton einüben.  Augen in der Nacht Es war nicht der Campingplatz im Redwood Nationalpark, den wir uns anhand unserer Karte ausgesucht hatten, dennoch konnte man es dort aushalten. Ein Hinweisschild zeigte nach links, Dieter bog ab und lenkte den Camper eine kurvenreiche Steigung hinab durch dichten Wald, der kaum duldete, dass viele Sonnenstrahlen ihren Weg durch die Baumkronen fanden. Dieter sah sich genötigt, die Scheinwerfer einzuschalten. Wir erreichten eine große Fläche mit vielen Parkplätzen, einem großen Gebäude, in dem Waschräume und Toiletten untergebracht waren. Wie wir feststellen konnten, waren wir die Einzigen hier, vielleicht, weil es für andere Leute hier zu einsam war. Uns war es egal. Wir hatten unser Etappenziel erreicht und wollten erst am nächsten Tag den Park erkunden. Wir parkten vor einem Baum mit dem gewaltigsten Stamm und Wurzelwerk, den ich je gesehen hatte. Bewundernd betrachteten wir ihn, umrundeten und fotografierten ihn und kamen überein, dass uns zu Hause niemand glauben würde, dass hier derlei Kolosse wuchsen. Hochzuklettern war nicht möglich. Aufgrund unserer Begeisterung schlenderten wir über den Campingplatz, fotografierten Bäume und wichen vor einer Schlange mit interessanter Zeichnung zurück, die unseren Weg kreuzte. Dieter war an ihr interessiert und nahm die Verfolgung auf, kehrte gesund und wohlbehalten zurück, nachdem sie ihm entwischt war. Egal, wegen Schlangen waren wir nicht nach Kalifornien gekommen. Uns interessierte die Flora und nicht die Fauna. Nach unserem Abendessen im Camper, die Nacht war längst hereingebrochen, dass man draußen die Hand nicht mehr vor Augen sah, waren Dieter und ich müde, weswegen wir beschlossen, zeitig in unsere Schlafsäcke zu kriechen.  Wir alterslosen Frauen Trotzdem die Lebenserwartung der Menschen im Allgemeinen steigt, und die Menschheit älter wird, wir Frauen werden immer jünger, vor allem optisch, aber auch innerlich. Waren die vorherrschenden Farben im Kleiderschrank bei Frau ab Fünfzig früher nur Schwarz, Braun und höchstens einmal Dunkelgrün, so sind sie nun Weiß, Rosa oder Blumig! Über unsere tatsächliche Haarfarbe weiß auch nur der Friseur Bescheid, Grau ist auf jeden Fall out! Mit beharrlicher Gleichgültigkeit tragen wir heutzutage sogar enge Hosen, auch wenn unsere Kurven schon einigermaßen ausladend, bis ins Auge springend sind. Denn auf der anderen Seite, also im Gesicht, wirkt sich das straffend und jünger aussehend aus. Es signalisiert unserer Umgebung, dass auch wir Frauen Genussmenschen sein können, eventuell sogar gut kochen. Was von vielen Männern sehr geschätzt wird. Mollige oder supermollige Frauen sind auch oft gut gelaunt und lachen gerne, also meistens! Sind wir noch immer die Schi-Nation Nummer eins? Vor einiger Zeit rauschte es diesbezüglich ganz beachtlich im sogenannten Blätterwald. In der aktuellen Weltcupsaison hat uns diesen Winter unser Erzfeind im Schisport die Eidgenossenschaft (=Schweiz) überflügelt und liegt jetzt seit einiger Zeit in der sogenannten Nationencup-Wertung  auf dem ersten Platz, den unsere Schifahrer eigentlich seit mehreren Jahrzehnten für sich gepachtet hatten. Die Wachablösung ist  diesbezüglich wohl nicht mehr aufzuhalten, obwohl erst gut die Hälfte der laufenden Schisaison absolviert ist. Im oben erwähnten Nationencup werden sämtliche Resultate, die von den Damen und Herren in sämtlichen alpinen Bewerben erzielt wurden, berücksichtigt und wird die am Ende der Saison auf dem ersten Platz liegende Nation als die führende Nation im Schisport gehandelt und auch entsprechend ausgezeichnet. Just diese schon längst zur Gewohnheit gewordene hohe Ehre und Würdigung scheint uns, zumindest diesen Winter, abhanden zu kommen. Welch Schmach kommt da auf das Volk der Schifahrer zu. Eigentlich noch vor kurzem vollkommen undenkbar. Wie konnte es denn dazu kommen? Nun, letztes Jahr im Sommer hat uns „unser Marcel“ ja hochoffiziell erklärt und mitgeteilt, dass er nach vielen und auch äußerst erfolgreichen Jahren seine sportliche Laufbahn auf und in der weißen Pracht (=Schnee) als beendet ansieht. Traktat über die indeterministische Komplexizität postmoderner Literatur oder: Was gilt jetzt noch? Zitat (literaturwissenschaft-on­line.uni-kiel.de) : Der Ansatz der Beat-Poetry ist von Leslie A. Fiedler, einem amerikanischen Literaturkritiker  (1917-2003), in seinem programmatischen Aufsatz „Cross the border – close the gap!“ (1969 im Playboy publiziert, aber schon 1968 unter dem Titel The Case for Postmodernism in Freiburg/Br. als Vortrag gehalten und von der Zeitschrift Christ und Welt auf Deutsch veröffentlicht) schon aufgegriffen wor­den: Nur eine allgemeinverständliche, antiautoritäre Kunst, die durch Thematisierung von Pornographie, Science Fiction und Indianer (Western) den Totalangriff auf bürgerliche Werte provoziert, könne die Differenz zum Alltagsleben überwinden. Gut Freunde, genug zitiert. Die Wahrheit ist (da waren wir ja schon einmal) lediglich das, was der einzelne darunter versteht. Donald Trump lebt nach dieser Maxime – warum nicht auch wir? Als schreiberischer Mensch, der nun Mühe hat, sein kulturelles Korsett zugunsten der „Postmoderne“ (Definition, siehe oben) abzulegen, will ich viel, nein, alles und beginne mit der „Erzählung“ der Wahrheit: Ein milder Hauch zog über die Rocky Mountains, als Old Shatterhand auf seinem Rappen Hatatitla neben seinem Freund Winnetou auf Iltschi gemächlich, zu den Klängen von Ennio Morricone, in den Sonnenuntergang reiten. Old Shatterhand hatte zu beiden Seiten der Sattelriemen seine Gewehre im Futteral baumeln; links den Bärentöter und rechts den Henry-Stutzen. Winnetou war bei diesem Ausritt unbewaffnet geblieben. Winnetou hatte seinen Blutsbruder Charly zu den Wickiups der Apachen am Gila River in seinen Wigwam eingeladen. Freilich Winnetous Vater, Intschu-tschuna hatte keine rechte Freude an der Freundschaft seines Sohnes mit einem Bleichgesicht. Aber dieser Old Shatterhand sollte angeblich besser sein als die verfluchten Yankees, stammte er doch aus einem fremden Land, weit her, aus dem Lande der Nemtschen. Nach kurzem Ritt kamen die beiden in der beginnenden Abenddämmerung im Dorf am Gila River an. Verwirrungen Offenbar ist man (keiner weiß jedoch wer „man“ ist) zur Erkenntnis gekommen, dass man vielleicht einen Feind (keiner weiß auch hier, ob wir einen haben und wer das sein könnte) durch Umbenennung von Kasernen oder vielleicht auch anderen wichtigen öffentlichen Gebäuden, ganz schön verwirren könnte. Nun wird aus der alten ehrwürdigen und allseits bekannten „Rossauer Kaserne“ die Bernadis-Schmidt-Kaserne!  Die “Stiftskaserne“ wird zur General-Spanocci-Kaserne.  Da werden sich viele aber umgewöhnen müssen, das kann, wie immer in Wien aber Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern! In Kasachstan hat man kürzlich die Hauptstadt einfach umbenannt! Vorher hieß die Hauptstadt ASTANA nun heißt sie NUR-SULTAN. Das ist der Vorname des langjährigen Machthabers Nursultan Nasarbajew, der jüngst nach 30 Jahren als Präsident zurückgetreten war. Kasachstans neuer Präsident Kassym-Schomart Tokajew hat per Gesetz die Umbenennung der Hauptstadt Astana offiziell besiegelt. Das teilte das Präsidialamt der Ex-Sowjetrepublik auf seiner Internetseite mit. Die Staatsagentur Kazinform veröffentlichte daraufhin den entsprechenden Gesetzestext. Basta! Nur-Sultan ist seit 1997 die Hauptstadt des zentralasiatischen Landes. Sie wurde in der Vergangenheit schon mehrfach umbenannt. Nachruf auf den Dichter T. Liebe Vor ein paar Tagen starb der Dichter T. Er war ein fleißiger und äußerst gewissenhafter Mensch. Es heißt, er habe bis zum Schluss hochkonzentriert und mit ganzer Hingabe an der Vollendung seines ersten Vierzeilers gearbeitet. Leider ist ihm die Vollendung seines Hauptwerkes nicht vergönnt gewesen; ein Wort war’s, das ihm fehlte. Dieses Wort nun, das letzte der vierten Zeile, es hätte, wäre es denn von T. wider aller Welt Erwartung gefunden worden, mit dem letzten Wort der zweiten Zeile sicher einen wundervollen, schlüssigen, harmonischen, einmalig-witzigen und also unerhörten Reim gebildet. (Das Wörtchen „unerhört“ ist hier im Sinne eines „bisher nicht gehört“ gemeint; wie das Schicksal jedoch so spielt: Es hat nicht sollen sein, es blieb beim „hätte, hätte, Fahrradkette“. Insofern ward der schöne Reim ein tatsächlich unerhörter im Sinne des „nicht gehört“, oder, auf Neudeutsch: never ever.) Trotz des unvollständigen Vierzeilers: In Anbetracht seiner Lebensleistung kommen wir nicht umhin, ehrfürchtig und staunend den Hut zu ziehen. Drei Zeilen und eine vierte, fast fertig – wer von uns kann auf ein solches Werk zurückblicken? Hoffen wir, dass T. in der neuen Welt ein Blatt Papier und einen Stift vorfindet. Vielleicht gelingt ihm dort die Vollendung seines Vierzeilers, wer weiß. Auf jeden Fall wünschen wir ihm gutes Gelingen, auch wenn wir nichts mehr davon haben. Zu guter Letzt! Der Kampf für ewiges Gesundsein Das Leben ist lebensgefährlich. Diesem Zitat aus einem Gedicht von Erich Kästner kann kaum etwas entgegen gehalten werden. Allerdings gehen die Ansichten über das, was gesund ist, schon seit jeher auseinander. „Schnaps ist gut für Cholera“, sagen die einen. Die anderen jedoch sinnieren: „Rauchst, stirbst, rauchst nicht, stirbst auch.“ Und manche witzeln mit der umwerfenden Logik: „Mein Bruder, der Sepp, hat sein ganzes Leben lang keinen Alkohol ge­trunken und nicht ge­raucht und trotzdem ist er mit zwei Jahren schon gestorben.“  Auch viele einfache Bauernweisheiten befassen sich mit dem Rezept, besonders lange gesund zu bleiben. Da empfiehlt zum Beispiel einer dieser Sprüche, man solle beim Arbeiten schlafen, beim Beten frieren und beim Essen schwitzen.       Die nächste Ausgabe erscheint       im MAI 2020
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Erscheinungstermin: 24. FEBRUAR 2020