Editorial

Schwere Zeiten!

Wir leben einer unsicheren Zukunft entgegen. Das verängstigt viele Menschen. Alles ist von heute auf morgen, nichts ist mehr planbar. Nicht einmal die Jause bei der Maltschi-Tant’ am nächsten Sonntag. Unsere Polit-Kasperln übertreffen einander mit Schmollmund und Klage, weil sie nicht eingebunden sind. Erstens, die Opposition braucht man nicht „einbinden“, wenn man ohne sie eine Mehrheit im Parlament hat. Zweitens, die unsägliche „Kleinstaaterei“ unserer Landesfürsten (es sind eh immer die gleichen) ist in Zeiten wie diesen ebenfalls hinfällig. Da darf ich an den so wahren und wichtigen Spruch erinnern: Auf jedem Schiff das dampft und segelt, gibt’s einen der die Sache regelt. Seuchen haben mit Kriegen gemeinsam, dass man sich nicht schon Monate vorher „darauf einstellen“ kann und dass man die Strategien nicht in endlos demokratischen Diskussionen abarbeiten kann, sondern alles ganz rasch und dezidiert. Die Einsatzpläne der medizinischen Fachleute können nicht gemeinsam nach Waldorfmanier getanzt werden. Da muss es Statements der Verantwortlichen (demokratisch: einer Mehrheit) geben, und die gelten, Punktum. Das Gejaule, dass die Demokratie in Gefahr ist, mag die jeweilige politische Klientel begeistern, aber es wird nichts an den Tatsachen ändern. Vertrauen in die Entscheidungen ist eine andere Sache. Da bewegen wir uns am Schnitzeläquator auf dünnem Eis. Wir sind aus Prinzip dafür, dass wir dagegen sind. Aber wer sich fürchtet, darf gerne auswandern, wenn’s woanders besser ist. Wir haben ohnehin von allem und allen zuviel! Wenig vertrauensbildend sind allerdings wahre Geschichten, die man kaum zu glauben vermag. Ich schwöre, dass ich die Quelle persönlich kenne, und nein, die Person ist kein Verschwörungstheoretiker. Ein Mann fühlt sich schlecht, ein mobiles Testteam kommt. Nach elf Tagen, die Diagnose: positiv. Der medizinische Mann am Draht teilt mit, dass die Gattin des Getesteten ebenfalls positiv ist und sofort in Quarantäne muss. Der Getestete bezweifelt die Ansteckung seiner Frau – er ist seit Jahren von ihr geschieden und sie lebt längst mit anderem Namen inzwischen in einer anderen Stadt. Zweiter Fall, gleiches Szenario: Der Getestete wird zehn Tage später angerufen. Diagnose: positiv. Dieser Mann bestreitet vehement die Infektion. Der Anrufer will unwirsch wissen, woher der Getestete das wissen will. „Ganz einfach, der Test liegt seit zehn Tagen in meinem Wohnzimmer, das Team hat vergessen die Probe mitzunehmen!“ Wie gesagt, schwere Zeiten! Bleiben Sie positiv, aber non-viral. Frohe Weihnachten und ein gesundes Impfjahr 2021! Christian Faltl - Herausgeber
Startseite Das 1. Jahr Editorial Neues Heft Angebote Buchtipps Kontakt
Das ironisch satirische Magazin aus Österreich!
mehr Infos
November 2020